Schweizer Buchhandel: Interview mit Rita Graf

Quelle: Schweizer Buchhandel, Newsletter 01/2016

Interview mit Rita Graf zur Situation Weltbild Schweiz

Rita Graf, Geschäftsführerin Weltbild Schweiz, gibt Auskunft über die Lage ihres Unternehmens.

Welche Veränderungen gab es im letzten Jahr in der Schweiz?

Im deutschen Mutterhaus sind die angesprochenen Punkte noch immer “Altlasten” aus der Insolvenz, die 2015 angegangen wurden. Die Restrukturierung dort ist auf Kurs: In vielen Bereichen sind grosse Investitionen erfolgt, angefangen von einem komplett neuen Onlineshop über die Überarbeitung der Sortimente bis dahin, dass aktuell der Crosschannel-Auftritt der Marke und das Marketing sowie die Ressourcenplanung (ERP) überarbeitet bzw. neu aufgesetzt werden.

Die Schweizer Firma war ja nie insolvent und somit stellt sich die Situation bei uns ganz anders dar. Wir haben im 2015 zwei Filialen dazu eröffnet, also zwischenzeitlich 35 Filialen am Schweizer Netz. Veränderungen gab es in der Zusammenarbeit mit dem Mutterhaus: Die Wichtigkeit von Weltbild Schweiz im länderübergreifenden Kontext hat eher zugenommen und die Schweiz kann in vielen Punkten sehr eigenständig agieren kann.

Neuer Auftritt: Weltbild Filiale in Baden /Schweiz
Neuer Auftritt: Weltbild Filiale in Baden /Schweiz

Und die Meldungen über 250 Streichungen beim Logistik Dienstleister „ALSO” – inwieweit betrifft das Ihren Geschäftsablauf?

Aktuell gar nicht – die Auslieferung der Kundenpakete für das Weihnachtsgeschäft ist problemlos verlaufen. Die weitere Dienstleistungserbringung bis hin zur Versandfertigstellung durch die ALSO ist bis Ende 2016 gewährleistet. Die Neugestaltung der Logistik wird nun die Aufgabe der nächsten Monate sein.

Sikko Böhm, Geschäftsführer der Weltbild-Gruppe, setzt in Deutschland ganz klar auf den Ausbau der Onlinestrategie. Sind das gemeinsame Bestrebungen oder geht die Schweiz da eigene Wege?

Der Ausbau der Marke Weltbild zu einem Multikanal-Marktplatz ist die zentrale Strategie der Weltbild Gruppe. Das sind gemeinsame Wege und die Länder Schweiz und Österreich sind in engem Austausch zur künftigen Strategie. Besonders die tolino-Allianz wird aktiv gepflegt. Weltbild Schweiz ist hier ein wichtiger und erfolgreicher Absatzpartner.

Die Weltbild-Shops sind im März 2015 auf eine neue technische Plattform gehoben worden. Seither werden laufend neue, zusätzliche Features eingeführt (Bilddarstellung, Personalisierung, Suche etc.). Weltbild setzt zudem stark auf Bewegtbild und Social Media, so gibt es zu sehr vielen Themenwelten auch Filmmaterial als Content zu finden. Neu sind auch unsere 2-Minuten-Gutenacht-Geschichten im Audio-Bereich. Der Ausbau der Online-Shops Richtung Marketplace nimmt seine Fortschritte. Es wird auch wichtige Themenwelten in Form von Nischenshops geben. So wird in der Schweiz der erste Nischenshop im Laufe des Januars aufgeschaltet mit den Produkten rund um SwissVitalWorld.

2014 sagten Sie im Interview zur Situation: “Weitermachen wie bisher”. Wie lautet die Strategie für 2016?

Weltbild bleibt der Multichannel-Medienanbieter mit einem umfassenden Zusatzsortiment. Unser Kernsortiment ist das Buch, das wird auch so bleiben. So gesehen kann ich auch heute noch sagen: weiter wie bisher.

Künftig werden wir jedoch sicherlich Anpassungen in Sortimentsgewichtung und Positionierung anstreben. Wir werden unsere Marke, die für Rat, Wissen und Unterhaltung steht, zu einem Multikanal-Marktplatz ausbauen. Die Positionierung von Weltbild Schweiz wird ausgefeilt. Wir werden unser Sortiment künftig mehr in Richtung Gesundheit und Nachhaltigkeit positionieren, mit Brückenschlag zu den Non-Medien-Produkten. Das kann sich auch in einer emotionaleren Präsentation innerhalb der Filialen widerspiegeln. Produkte werden mehrheitlich offen präsentiert und für den Kunden zugänglicher dargestellt. Ein erster Pilotversuch kann in der Filiale Baden in Augenschein genommen werden.

 

 

Schweizer Buchhandel: Interview mit Rita Graf
Tagged on: