Tommy Jaud („Der Löwe büllt“,„Vollidiot“) im Gespräch mit Weltbild: „Theoretisch wissen wir alle, was gut für uns ist“

Augsburg, 16. Mai 2019 | „Männer setzen sich nicht mit ihren Problemen auseinander. Sie schauen lieber Dokus und trinken Wein”, auf diese Formel bringt Bestsellerautor Tommy Jaud („Vollidiot“, Resturlaub“) sein Männerbild im Interview mit dem Weltbild Magazin über sein neues Buch. In der „Der Löwe büllt” (ohne „r“) startet Jaud erneut einen Frontal-Angriff auf die Lachmuskeln. Gleichwohl setzt sich der Autor beim Schreiben intensiv damit auseinander, warum es manchmal nicht so gut läuft – in den Büchern und im Leben. Jaud: „Theoretisch wissen wir ja alle, was gut für uns ist, aber dann tappen wir doch in jede einzelne Falle, die man uns hinstellt: greifen 67 Mal zum Handy am Tag, packen uns die Tage viel zu voll und streichen dann ausgerechnet die Aktivitäten zusammen, die uns Spaß machen würden“, so Jaud.

Über den modernen Mann, Ferienclubs, die Rolle seiner eigenen Mutter und seinen literarischen Ehrgeiz spricht der Autor im Interview mit dem Weltbild Magazin ( www.weltbild.de/magazin) , das regelmäßig Werkstattgespräche Autoren führt. Anbei finden Sie das Interview.

 

Über sein Männerbild, Ferienclubs, die Rolle seiner Mutter und seinen literarischen Ehrgeiz spricht Tommy Jaud im Weltbild Magazin

Weltbild: In „Der Löwe büllt“ geht es ums Thema Reisen. Und zwar in der vielleicht denkbar schlimmsten Konstellation: Ferienclub mit der eigenen Mutter. Warum tut es nicht gut, als erwachsener Mann zehn Tage am Stück mit der eigenen Mutter zu verbringen? Warum macht man das?

Tommy Jaud: Aus schlechtem Gewissen natürlich. Die Eltern sind nicht ewig da und man möchte ihnen was bieten. Dass man sich nicht mehr wirklich so gut kennt und wie unterschiedlich die Marotten sind, kommt im Urlaub natürlich besser zum Vorschein als bei einem Sonntagskaffee. Meine Mutter hat das Buch nicht nur gelesen und vor allem die Dialoge mit dem Sohn für lustig befunden, sie hat mir auch bei der Entwicklung der Romanmutter Rosi geholfen. Wie das Umfeld auf den Tod des Ehemanns reagiert zum Beispiel oder halt eben nicht. Und dass ein Sohn auch mal auf die Nerven gehen kann.

Weltbild: Bei Ihrem neuen Helden Nico Schnös steigert sich die Unzufriedenheit in seinem Alltag, bis er zur Zumutung für seine Umwelt wird. Ist Nicos Misere typisch für den modernen Mann?

Tommy Jaud: Ich denke ja. Nicos Problem heißt Verdrängung, er hält es mit sich selbst nicht aus, und schuld sind immer die anderen und natürlich Köln, diese selbstverliebte Mischung aus Museum und Müllkippe. Statt sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen, schaut er lieber Dokus und trinkt Wein, und über den Tod seines Vaters mag er gar nicht so recht nachdenken, denn wenn er jetzt noch mit dem Trauern anfinge, käme er ja zu gar nix mehr. Seiner Frau wird das zu viel, sie macht ihr eigenes Ding, kurz: Das Leben rennt weiter, Nico bleibt stehen. Bis sein Chef ihm sagt, dass es so nicht mehr weitergeht.

Weltbild: Warum ist es so schwer, im Gleichgewicht zu bleiben oder zu entspannen? Ist Nico beispielhaft für unsere Muss-Gesellschaft, die Sie im Anti-Ratgeber „Einen Scheiß muss ich“ so erfolgreich an den Pranger gestellt haben?

Tommy Jaud: Wenn Nico Schnös „Einen Scheiß muss ich“ gelesen hätte, wäre er gar nicht erst in diese Situation gekommen. Oder vielleicht ja doch, weil immerhin hab ich den Ratgeber ja geschrieben und kann mich trotzdem oft nur schlecht entspannen und hample hektisch durch den Tag. Theoretisch wissen wir ja alle, was gut für uns ist, aber dann tappen wir doch in jede einzelne Falle, die man uns hinstellt: greifen 67 Mal zum Handy am Tag, packen uns die Tage viel zu voll und streichen dann ausgerechnet die Aktivitäten zusammen, die uns Spaß machen würden.

Weltbild: „Eher wird Griechenland Export-Weltmeister, als dass ich das Feuilleton durch mein literarisches Können überzeuge“ – sagt Tommy Jaud über Tommy Jaud. Wo geht Ihr literarischer Ehrgeiz hin?

Tommy Jaud: Der geht dahin, dass ich sehr genau plane, wie ich meine Geschichten aufbaue und die Figuren zeichne. Manchmal vielleicht auch zu genau, so dass ich dann das eigentliche Schreiben vergesse. Aber ein paar Grundregeln gibt es halt schon einzuhalten: dass nicht nur die Geschichte einen Handlungsbogen braucht, sondern auch die Kapitel selbst, dass die Haltung der Figuren stimmt und wechselt, dass man weiß, was auf dem Spiel steht und dass z.B. der Antagonist der Hauptfigur die Überzeichnung von deren größter Schwäche ist: Nico ist ein gestresster Burnout-Kandidat, der sich nicht entspannen kann, daher ist der Typ, der sich an seine Frau heranmacht, natürlich ein premium-gechillter Meditations-Experte. Und dann gibt es dank der recht neuen Serienkultur von Netflix & Co. auch noch eine neue Art des Erzählens, an der ich mich auch orientiert habe: „Der Löwe büllt“ ist mein erstes Buch, in dem ich meine Geschichte nicht chronologisch erzähle, sondern in einem ganz eigenen Rhythmus.

Tommy Jaud (geb. 1970) arbeitete als Comedy-Autor und Gag-Schreiber, bevor er mit seinen großen Romanerfolgen wie „Vollidiot“, „Resturlaub” u.v.a. als Autor durchstartete und seitdem als einzig wahrer Wiederbeleber des klassischen Männerromans gilt. Jüngst ist „Der Löwe büllt“ von ihm erschienen. Das komplette Interview mit Tommy Jaud lesen Sie unter weltbild.de/magazin . Mit einem Hinweis auf das Weltbild Magazin sind die für die redaktionelle Nutzung freigegeben.

Kontakt:

Eva Großkinsky
Weltbild Unternehmenskommunikation
Tel. 0821/70045555
Eva.grosskinsky@weltbild.com

 

Tommy Jaud („Der Löwe büllt“,„Vollidiot“) im Gespräch mit Weltbild: „Theoretisch wissen wir alle, was gut für uns ist“
Tagged on: