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Julia London
Prinz meines Herzens
320 pages
ISBN 978-3-86800-046-7
Published: 2008
4,95 EUR

Prickelnde Leidenschaft

Teil 2 der Saga um die ungezähmten, schönen Fairchild-Schwestern!
Ein wilder Mann in einem rauen Land: Rhodrick Glendower führt auf seinem Herrensitz in Wales ein strenges Regiment. Die junge Greer Fairchild ist auf der Suche nach ihrem Erbe angereist. Nun hält der misstrauische Rhodrick sie auf seiner Burg gefangen. Greer versucht, sein dunkles Geheimnis zu ergründen. Doch seine ungezähmte Stärke zieht sie immer mehr in seinen Bann.



Leseprobe

Greer machte kaum ein Auge zu. Bei jedem Geräusch wachte sie auf und fürchtete, der Prinz käme ins Zimmer. Und sie fürchtete auch ihre Reaktion auf ihn. Sie hatte solche Angst gehabt und war zugleich so erregt gewesen - und das verstörte sie mehr als alles andere.Und so fuhr sie auch am nächsten Morgen erschreckt aus dem Schlaf auf, als jemand sie in die Zehen zwickte. Ein Mädchen stand am Fußende ihres Bettes. »Wer ... wer bist du?«, fragte sie. Das Mädchen, ein schmächtiges, kleines Ding, blickte sie aus großen, dunklen Augen an. »Ich bin Lucy, Ma'am. Aber meistens werde ich Lulu gerufen. Ich bin Eure Zofe.« Das einfache Englisch des Mädchens überraschte Greer. Sie setzte sich auf und zog die Beine an. Misstrauisch musterte sie das Mädchen. »Woher kommst du? Du klingst nicht walisisch.« »Oh nein, Ma'am, ich komme aus Shrewsbury.« Shrewsbury lag wenigstens auf der richtigen Seite der Grenze, und Greers Misstrauen ließ ein wenig nach. Sie schwang die Beine aus dem Bett. »Und wie bist du nach Llanmair gekommen?«, fragte sie. »In einer Mietkutsche?« »Oh nein, Miss. Mein Vater hat mich hierher gebracht, damit ich hier arbeiten kann.«

Sie wies auf die Waschschüssel. »Ich habe Euch frisches Wasser gebracht. Seine Lordschaft bittet Euch zum Frühstück in den großen Speisesaal, und wenn Ihr fertig seid, sollt Ihr in sein Studierzimmer kommen.« Greer errötete leicht bei der Erwähnung des Prinzen; sie wich dem Blick der Kleinen aus und trat an die Waschschüssel, wo sie sich eiskaltes Wasser ins Gesicht spritzte, um wach zu,

werden. Als sie sich umdrehte, hatte Lulu die Vorhänge zurückgezogen, und Sonnenlicht flutete ins Zimmer. »Es hat aufgehört zu regnen«, murmelte Greer, mehr zu sich selbst als zu Lulu. »Ja«, erwiderte Lulu mit einer Fröhlichkeit, die in dem trostlosen kleinen Zimmer unangebracht schien. »Es ist ein schöner Tag. Soll ich Euch beim Anziehen helfen?«, fragte sie und ergriff ein weiches, bernsteinfarbenes Morgengewand, das Phoebe für Greer aus einem alten Kleid von Tante Cassandra genäht hatte. »Danke ... aber ich brauche ein Reisekleid«, antwortete Greer. »Ich verlasse Llanmair heute.« Lulu nickte und trat wieder an die Truhe. Sie holte ein Kleid in Ros~ heraus, das eigentlich viel zu leicht für dieses raue Land war, aber etwas anderes hatte Greer nicht. Vorsichtig legte Lulu das Kleid über die Armlehne eines Stuhls und bewunderte es. Greer setzte sich an den kleinen Tisch und begann, sich die Haare zu bürsten. Sie beobachtete Lulu, die umherging und aufräumte. Wie konnte so ein zierliches Mädchen in Llanmair leben? Schließlich konnte Greer ihre Neugier nicht mehr zügeln und ließ die Bürste sinken. »Du hast gesagt, dein Vater hat dich hierher gebracht?« >Ja, Ma'am. Ende November werden es zwei Jahre.« Wie konnte ein Vater nur so etwas tun? Vielleicht wusste er ja nichts vom Ruf des Prinzen? Das arme Ding - Lulu hatte sich bestimmt sehr gefürchtet, allein im Haus eines Mannes, dessen Charakter so schwarz war wie die Nacht. »Du bist ein tapferes Mädchen, Lulu. Du hattest sicher Angst.« Lulu lachte überrascht. »Angst? Ach du lieber Himmel, nein, Ma'am. Wenn man für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, gibt es keinen besseren Ort als Llanmair. Ich hatte sehr viel Glück, dass ich hier arbeiten konnte.« Die Aussichten auf einen Broterwerb mussten in diesem Teil der Welt tatsächlich mager sein, wenn sich ein Mädchen schon glücklich schätzte, bei diesem Teufel arbeiten zu können. Aber Greer sagte nichts mehr und beendete ihre Toilette. Lulu half ihr beim Ankleiden, aber sie hatte Probleme damit, Greers Haare aufzustecken, und so flocht sie sie zu einem Zopf, den sie mit einem Band umwickelte. »Es ist sicher nicht so elegant wie die Frisurern in London, Ma'am, aber für Wales ist es ganz nett.« Greer lächelte und enthielt sich einer Antwort. Sie fragte sich - wie schon häufig in der letzten Zeit -, ob sie tatsächlich Waliserin war. Alles kam ihr so fremd vor. Gewiss, sie war ja auch erst acht gewesen, als sie vor vierzehn Jahren gegangen war, aber sie hatte geglaubt, ihr würde wenigstens irgendetwas vertraut vorkommen. Lulu führte sie zum Speisezimmer, und Greer freute sich, als sie Percy erblickte. Er erhob sich, als sie eintrat, und streckte ihr die Hand entgegen. »Wie habt Ihr geschlafen?«, fragte er. »Oh, meine Liebe, nicht gut, Eurem Aussehen nach zu urteilen. Ihr seht müde aus.« »Ist es so schlimm?«, fragte Greer erschreckt. »Ich habe in der Tat nicht gut geschlafen.« Weil der Prinz sie so intim geküsst hatte. »Der Sturm und all die Geräusche ...« »Gespenster«, sagte Percy ernst. »Was?« Lachend küsste er ihr die Hand. »Ich bitte um Entschuldigung. Ich habe Euch nur geneckt. Mir ist der Sturm kaum aufgefallen - ich habe geschlafen wie ein Säugling«, fügte er augenzwinkernd hinzu. »Hier - setzt Euch«, fügte er streng hinzu. »Ich hole Euch Frühstück.« Greer setzte sich. Da sie den Fischeintopf gestern Abend nicht angerührt hatte, hatte sie großen Hunger. Percy servierte ihr Porridge, Eier, Toast und Kaffee. Während Greer frühstückte, setzte er sich ihr gegenüber. »Nach dem Frühstück sollen wir zum Prinzen kommen.« Er blickte sich um, als müsste er sich vergewissern, dass ihnen auch ganz bestimmt niemand zuhörte, und fügte dann leise hinzu: »Ich muss Euch warnen. Dieser Mann weiß, wie er bekommt, was er will, und zwar mit allen Mitteln. Ich gehe davon aus, dass er versuchen wird, Euch gegen mich aufzubringen, indem er mich schrecklicher Dinge beschuldigt. Aber es sind alles Lügen, Greer. Er wird versuchen, uns auseinanderzubringen, um unsere Ansprüche abzuschmettern.«

»Ich kann mir nicht vorstellen, wie er Euch beschuldigen könnte, nach allem, was er getan hat.«

»Das ist wirklich einfach - er hat es ja auch schon bei anderen gemacht«, fuhr Percy leise fort. »Er schreckt vor nichts zurück, um Euch zu verweigern, was Euch rechtmäßig zusteht. Er wird versuchen, Euch einzuschüchtern.« Greer blickte auf ihren Teller und dachte an gestern Nacht, an die Hand des Prinzen auf ihrer Haut, seinen heißen, intensiven Blick, und sie konnte sich kaum vorstellen, wie er sie noch mehr einschüchtern konnte. Aber Percy zu beschuldigen war lächerlich! Wie konnte er annehmen, dass sie ihm glaubte? Schließlich war sie doch den ganzen Weg mit ihm gereist und kannte seinen guten Charakter. »Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen, Mr Percy«, sagte sie mit fester Stimme. »Er kann mir nicht einreden, dass ihr anders seid, als ich Euch kennengelernt habe - als guten, anständigen und ehrenwerten Mann.« Mr Percy lächelte warm. »Meine liebe Greer, wie sehr ich Eure gute Meinung von mir schätze. Darf ich fragen ... habt Ihr meinen Antrag bedacht?«

Greer verlor auf der Stelle den Appetit. »Natürlich schulde ich Euch noch eine Antwort«, erwiderte sie und suchte fieberhaft nach einer höflichen Ablehnung. »Aber ... aber ich muss gestehen, es ist so viel passiert, dass ich ... « »Ja, selbstverständlich«, erwiderte er gleich. »Es ist falsch von mir, Euch zu bedrängen, bevor Ihr nicht Eure Angelegenheiten hier abgeschlossen habt.« Er ergriff ihre Hand. »Und doch möchte ich Euch sagen, wie glühend ich mir ersehne, dass Ihr mit ja antwortet.« Er zog ihre Hand an die Lippen und drückte einen leidenschaftlichen Kuss darauf.

German Translation copyright © 2008 by Verlagsgruppe Weltbild GmbH

Original English language edition © Copyright 2007 by Dinah Dinwiddie

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2008

Verlagsgruppe Weltbild GmbH

Steinerne Furt, 86167 Augsburg

Übersetzung: Margarethe van Pee

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Elisabeth Steppich
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