Foreign Rights

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Blaize Clement
Katzen würden leiser morden
303 pages
ISBN 978-3-89897-959-7
Published: 2008
4,95 EUR

Katzenkrimi mit Charme und Humor

Katzen, Hunde und ein Leguan? Schon als Katzensitterin Dixie Hemingway den Auftrag bekommt, eine Echse zu pflegen, ahnt sie nichts Gutes. Als die Haustier-Betreuerin im Anwesen des Leguan-Besitzers auch noch eine Leiche findet, will sie nur noch weg. Doch jemand beobachtet sie. Dixie steht unter Mordverdacht. Nun muss sie allen Spürsinn aufbieten, den sie in ihrer Zeit als Polizstin erworben hat.



LESEPROBE

Weihnachten stand vor der Tür, und ich hatte einen Menschen auf dem Gewissen.

Jedes für sich genommen war schon Grund genug, lieber im Bett zu bleiben und mir für lange, lange Zeit die Decke über den Kopf zu ziehen.

Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich Gefühle für zwei Männer hegte, obgleich ich nie erwartet oder gewünscht hatte, jemals wieder auch nur einen Mann zu lieben.

Als ob das nicht reichte, hatte ich mich heute auch noch bereit erklärt, einen fremden, frei laufenden Leguan in meine Obhut zu nehmen.

All das zusammen wäre eigentlich für jeden Menschen zu viel gewesen, und für mich ganz besonders. Nach meinem Dafürhalten hatte ich jedes Recht, die Bremse in meinem Leben zu ziehen und mich zu verweigern. Mich einfach hinzustellen und zu rufen: »Okay, Pause! Das Leben kann mir für die nächste Zeit gestohlen bleiben. Ich melde mich zurück, wenn ich wieder so weit bin.«

Stattdessen kroch ich wie an jedem anderen verdammten Morgen um vier Uhr aus dem Bett in Erwartung dessen, was der Tag so alles bringen könnte. Es kommt einem genetischen Fluch gleich, so wie ich einer langen Reihe von Vorfahren zu entstammen, die einfach immer nur weitermachen, selbst wenn jeder mit auch nur halbwegs klarem Verstand sich eine Auszeit nähme.

Ich heiße Dixie Hemingway und bin weder verwandt noch verschwägert mit Sie-wissen-schon. Ich bin Tiersitterin und lebe auf Siesta Key, einer halb tropischen Küsteninsel vor Sarasota, Florida. Bis vor fast vier Jahren war ich Deputy im Sheriff's Department von Sarasota County. Mein Mann war auch Deputy. Er hieß Todd. Wir hatten ein hübsches kleines Mädchen. Sie hieß Christy. Wir waren glücklich wie so viele junge Familien, die zwar von den Katastrophen auf der Welt und den Gefahren des Lebens wussten, sie aber erfolgreich verdrängten. Das alles änderte sich mit einem Schlag. Mit zwei Herzschlägen, um genau zu sein - den letzten von Todd und Christy.

Irgendwo habe ich gelesen, dass bei Ausgrabungen in Sibirien ein vollständig erhaltenes zotteliges Mammut gefunden wurde, das Jahrtausende im Eis begraben gewesen war. Auf der Zunge des Mammuts saß ein Schmetterling. Ich denke oft an dieses zottelige Mammut und sein beispielhaftes Schicksal. In der einen Sekunde stehst du, von Schmetterlingen umflattert, selig im goldenen Licht der Sonne, und schon in der nächsten Sekunde - rumms! - verfinstert sich die Welt, und du bist mutterseelenallein und zu Eis gefroren.

Als mir das passierte, drehte ich schier durch. Um die Wahrheit zu sagen, es war noch viel schlimmer. Meine Wut war so groß, dass das Sheriff's Department zu dem klugen Entschluss kam, mich nicht mehr bewaffnet auf die Straße zu schicken; einen Piranha in ein Goldfischglas zu werfen, wäre dasselbe gewesen. Aber jedes Leid, an dem man zu lange festhält, wird irgendwann zu einer Gedenkstätte für das eigene Selbst, und man muss davon ablassen.

Als ich wieder halbwegs funktionierte, wurde ich Tiersitterin. Ich mag Haustiere, und sie mögen mich, und ich gerate nur selten in Situationen, in denen ein Rückfall in jene Wut droht, die so lange in mir gekocht hatte. Ich kann nicht behaupten, ich sei ganz frei von allem Schmerz und dem dazugehörigen Wahnsinn, aber es geht mir jetzt sehr viel besser.

Jedenfalls war es so, bis ich diesen Mann umgebracht hatte.

Nicht dass er den Tod nicht verdient hätte. Er hatte ihn sehr wohl verdient, und das Große Geschworenengericht war derselben Meinung. Letzten Endes kamen sie überein, dass ich den Mann aus Notwehr umgebracht und der Menschheit damit sogar einen verdammt guten Dienst erwiesen hatte. Vor allem, wenn man berücksichtigte, was für Verbrechen er verübt hatte und wie viele er noch begangen hätte. Nur ändert das alles nichts an der Tatsache, dass ich mit der Vorstellung leben muss, einen anderen Menschen ins jenseits befördert zu haben.

Einen Menschen zu töten, verändert dich. Jeder Kriegsveteran, der dem Feind Verluste beigebracht hat, wird das bestätigen. Ebenso jeder Polizist, der einmal einen Straftäter umlegen musste. Du kannst die Tat rechtfertigen und dir immer wieder sagen, du hattest keine andere Wahl, es war dein Job, unter denselben Umständen würdest du wieder so handeln; trotzdem verändert es dich, auch wenn sonst niemand davon etwas weiß.

Darum und weil in genau zwölf Tagen Weihnachten war, schränkte ich im Moment die Kontakte zu meinen Mitmenschen fast vollends ein.

In meiner Branche ist es sogar recht einfach, menschliche Kontakte zu vermeiden. Wenn ich ein neues Tier übernehme, treffe ich mich einmal mit Herrchen oder Frauchen, um einen Vertrag zu machen, der die Verantwortlichkeiten klar festlegt. Ich habe nun einmal eine Schwäche für Tiere und bin bereit, alles für sie zu tun, aber ich will nicht, dass ihre Besitzer das von vornherein wissen. Sie überlassen mir ihren Hausschlüssel und die Sicherheitscodenummer, falls sie eine Alarmanlage haben, zeigen mir die Spielsachen und Lieblingsverstecke ihrer Tiere, und sie sagen mir, was zu tun ist, falls sie in ihrer Abwesenheit, sterben sollten. Wenn man in einem Pensionärsmekka lebt, in dem die Mehrzahl der Bewohner älter als fünfundsechzig ist, kommt das öfter vor, als man glaubt. Manchmal verhält es sich auch umgekehrt; sie sagen mir, was mit dem Tier passieren soll, falls es in ihrer Abwesenheit stirbt. Auch das kommt öfter vor, als man denkt. Wenn wir uns dann darauf geeinigt haben, was für das Tier am besten ist, reisen sie ab und es kommt bis zu ihrer Rückkehr zu keinem weiteren Kontakt.

An dieser Vorgehensweise halte ich ausnahmslos fest. Wie ich an dem Tag, an dem ich mich bereit erklärte, einen Leguan zu übernehmen, davon abweichen konnte, ist mir bis heute ein Rätsel. Der Besitzer hatte mich am Abend zuvor angerufen und mich überredet, den Job zu übernehmen, obwohl er nicht zu meinem festen Kundenstamm gehörte und obwohl es meinen professionellen Standards absolut widerspricht, ein Tier zu übernehmen, ohne das Tier und seinen Besitzer vorher kennenzulernen. Wir hatten eine schlechte Verbindung gehabt, und ich musste mich anstrengen, um ihn überhaupt zu verstehen. Bis heute bin ich mir nicht ganz sicher, was mich so für ihn eingenommen hatte - der kehlige irische Akzent vielleicht, kein richtiges, voll ausgeprägtes Irisch, aber doch von einem so deutlichen Singsang unterlegt, dass ich mir ein Lächeln kaum verkneifen konnte. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass ich ein besonderes Faible für Leguane habe, weil mein Großvater einen besessen hatte.

© Verlagsgruppe Weltbild GmbH, 2008

Übersetzung: Christian Kennerknecht

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Elisabeth Steppich
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