Peter Brendt
Jagd vor Afrika
302 pages
ISBN 978-3-89897-490-5
Published: 2007
6,95 EUR
Nervenzerreißender U-Boot-Roman!
Deutschland im Zweiten Weltkrieg: Kapitänleutnant von Hassel hat noch mit den traumatischen Erinnerungen an den Untergang seines ersten Bootes und dem Verlust seiner Mannschaft zu kämpfen. Doch nun muss er sich als Kommandant des neuen Bootes U-68 und einer bunt zusammengewürfelten Mannschaft beweisen. Zudem gibt es noch Probleme mit der Technik. Als er den Befehl erhält, einen englischen Geleitzug in den Gewässern vor Sierra Leone abzufangen, beginnt für von Hassel und seine Männer eine gefahrvolle Reise, die den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit offenbart.
LESEPROBE
Aufmerksam beobachtete der kräftige Mann, wie sein Gegner wieder taumelnd auf die Füße kam. Um ihn herum begannen die Männer laut zu grölen, denn nicht wenige hatten Wetten abgeschlossen. Er wusste, der andere war geschlagen, aber man sollte ja immer auf Nummer sicher gehen. Tief atmete er die Mischung aus schalem Biergeruch, Zigarettenrauch und fettigem Bulettenaroma ein, die man hier als Luft bezeichnete. Er dachte sich nichts dabei, er war Schlimmeres gewöhnt.
Rudolf Braunert wartete geduldig ab, bis der andere wieder aufrecht stand. Dann beendete er den Kampf endgültig mit einem seiner linken Haken an das Kinn seines unglücklichen Gegners. Der Treffer saß mit der Präzision langjähriger Übung. Der getroffene Mann, obwohl er nicht wesentlich kleiner und leichter war als der baumlange Braunert, wurde auf die Zehenspitzen gerissen und segelte dann zusammen mit halb geleerten Biergläsern gegen die Rückwand der Kneipe.
Einen Augenblick hing Stille im Raum, dann brach erneut lautes Gegröle aus. Hände schlugen dem Matrosenhauptgefreiten auf die Schultern, und er musste einige freundschaftliche Seitenhiebe einstecken.
Braunert grinste träge und nickte den Kameraden zu, die begannen, die Wetteinsätze auszuzahlen. Er wusste, er würde seinen Anteil erhalten.
Für einen Augenblick sah er dabei zu, wie die Stoppelhopser ihren Kameraden aus den Resten des Tisches befreiten. Der Mann sah nicht gut aus. Ein Auge begann bereits zuzuschwellen, und aus der aufgeplatzten Lippe lief Blut.
Trotzdem! Braunert zuckte mit den Schultern. Wie konnte so ein Spatenpauli auch nur auf die Idee kommen, ausgerechnet hier in Bremen eine Schlägerei mit der Marine vom Zaum zu brechen? Der Seemann schüttelte den Kopf und betrachtete seine erste Geige etwas trübsinnig. Ein paar Blutspritzer verunzierten den blauen Stoff. Na ja, in der Dunkelheit würde man es wohl kaum sehen. Und ab morgen hieß es eh wieder: U-Boot-Päckchen!
Daniel Peters, Maschinengefreiter und der Jüngste aus der Gruppe, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm einen Schluck von seinem Bier. Irgendwie schmeckte es schal. Spöttisch verzog er das Gesicht. Die Annehmlichkeiten des Hafenlebens!
Na ja, immerhin war Bremen nicht Hamburg. Aber wie jede Hafenstadt hatte Bremen auch seine dunklen Ecken voller Amüsierschuppen, Bordelle und Seemannskneipen. Das, was eine Stadt, die ihre Seeleute liebte, eben den Männern nach wochenlanger Fahrt zu bieten hatte. Mochten die braven Bürger nur ihre Miene verziehen - auch das war ein Teil der Seefahrt. Der junge Mann machte ein mürrisches Gesicht. Es war auch für ihn ein Teil der Seefahrt, ob er es mochte oder nicht.
Wilhelm Hochhuth, der Elektro-Willi, wie er von der Crew genannt wurde, legte ihm die Hand auf die Schulter: »Beruhig dich, Daniel. Dat hier iss nich dat Revier der Kettenhunde. Bis hierher trauen se sich dann doch nich.«
Wieder erschien das spöttische Funkeln in Peters' Augen. » Ich glaube nicht, dass die Kettenhunde überhaupt wissen, wo dieser Laden ist.« Sein Grinsen wurde breiter. » Kontrolliert ist er ja wohl kaum!« Entspannt lehnte er sich zurück. Seine Angst vor den Feldjägern, den Kettenhunden, war jedenfalls nicht sehr groß. Dann machte er sich schon eher Gedanken über andere Gefahren.
Auch der Elektro-Willi grinste wissend. »Falls de noch einen wegstecken willst, dann nich hier.«
»Und eine Perle klar wie Gold aus des Seemanns Pfeife rollt! «
Peters nahm noch einen Schluck von seinem Bier und schmunzelte zufrieden: »Nee, Mann, alles zivil erledigt.«
»Haste 'ne Freundin hier in Bremen?« Interessiert spitzte Hochhuth die Ohren. »Wo haste denn die aufgegabelt?«
Peters schob seine Mütze etwas tiefer in die Stirn: »War nicht so schwer. Eine Schreibkraft aus der Werft. Kommt aus Franken und ist die Klapphose noch nicht gewöhnt.«
Braunert kam an den Tisch und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Suchend sah er sich um. »Na, und was treibt ihr so?«
»Zuschauen, wie du den Stoppelhopser vermöbelt hast.«
Peters winkte der Bedienung. »War nicht schlecht, Rudi!«
»Danke für die Blumen, Dani!« Missmutig betrachtete er seine zerschundenen Knöchel. »War aber völlig unnötig! Möchte wissen, was den geritten hat.«
Die anderen zuckten mit den Schultern. Stoppelhopser, Spatenpaulis! Wer dachte darüber schon groß nach? Das war eine andere Welt.
»Also, was nu? « Gelangweilt musterte Braunert einige Damen des offensichtlich ältesten Gewerbes der Welt. Auf jeden Fall sahen die Damen so aus, als seien sie schon sehr lange in diesem Gewerbe tätig.
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