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Julia London
Herr meines Herzens
351 pages
ISBN 978-3-89897-983-2
Published: 2008
4,95 EUR

Eine aufregend-romantische Saga

Sie sind jung. Sie sind bezaubernd. Und sie sind ruiniert. Denn nach dem Tod ihrer Mutter stehen die Fairchild- Schwestern mittellos da. Doch die unbezähmbaren Schönheiten verzweifeln nicht.

Der ältesten, Ava, gelingt es, sich einen wohlhabenden Ehemann zu angeln: den attraktiven Marquis Jared. Der, so stellt sich bald heraus, hält allerdings nicht viel von Treue. Ava, die ihn mittlerweile über alles liebt, will das nicht hinnehmen.



LESEPROBE

1

London, März 1819


Der Marquis von Middleton, einziger Erbe des mächtigen Herzogtums Redford, besaß eine spürbare Energie, die Macht und Reichtum vermittelte. Und er strahlte die potente Sexualität eines sehr maskulinen Mannes aus. Die meisten Frauen spürten es - und vielleicht sogar ein paar Männer. Es war in der Tat eine potente Sexualität. Der Marquis, Jared Broderick, sagte oder tat nichts, um solche Gefühle in anderen hervorzurufen, denn er war sich in aller Aufrichtigkeit seiner bemerkenswerten Macht nicht bewusst. Hätte jemand ihn darauf hingewiesen, dass Frauen schon weiche Knie bekamen, wenn er sie nur anschaute, dann hätte er nur lachend erwidert, dass er alle Frauen anbetete, und das war die Wahrheit. Arme Frauen, reiche Frauen, von Adel oder ohne Titel, es war ihm völlig gleichgültig - solange sie absolut weiblich waren. Das bedeutete, sie mussten gut riechen, sanft, gelegentlich dumm, lästig, lockend und anregend sein - im Boudoir wie auch darüber hinaus.

Mit seinen dunkel goldbraunen Haaren, dem energischen Kinn, den breiten Schultern und den braunen Augen mit den goldenen Sprenkeln galt er in der haute ton, der Elitegesellschaft Londons, als gefährlich gut aussehend. Er war groß und schlank, athletisch gebaut. Und seine verwegene, manchmal tollkühne Art hatte auch etwas Gefährliches, zumal ein Mann, der das Spiel und die Frauen liebte, von Zeit zu Zeit in Schwierigkeiten geraten musste. Es gab Gerüchte über ein Duell, in dem er sich angeblich furchtlos geschlagen hatte und aus dem er siegreich hervorgegangen war. Besonders gerühmt worden war seine Verwegenheit jedoch bei einer Hirschjagd im letzten Herbst. Der Hirsch hatte die Jäger gewittert und war durch das Unterholz gebrochen, um zu entkommen. Es hieß, Middleton habe seinen Hals und auch den seines großen Wallachs riskiert, um den Hirsch zu fangen, weil er weit vor den anderen Reitern über Felsen und Schluchten durch das Dickicht galoppiert war. Als er jedoch den Hirsch gestellt hatte, hatte er sein Pferd gezügelt, umgedreht und war wieder zur Jagdgesellschaft zurückgeritten, als ob ihn nicht die Jagd interessierte, sondern nur der wilde Ritt.

In den Londoner Herrenclubs erzählte man sich hinter vorgehaltener Hand, Middleton sei an jenem Tag nicht so wild geritten, um den Hirsch zu fangen, sondern weil ihn seine eigenen Dämonen gejagt hätten. Regelmäßig wurde über ihn, kaum verhüllt, in den Londoner Morgenzeitungen berichtet, sowohl über seine verwegenen Taten wie auch über seine Eroberungen in den Betten einiger der wichtigsten Frauen in der Stadt. Noch schillernder wurden diese Berichte dadurch, dass er eines Tages die mächtigsten Herzogtümer in England und Wales erben würde, und der Gedanke, dass er Bastarde zeugen könnte, verursachte seinem Vater, dem jetzigen Herzog von Redford, große Sorgen.

Viele Lords wollten gern ihre Töchter an Redfords Sohn verheiraten, und Lady Elizabeth Robertson galt in den Wetten, die abgeschlossen wurden, als Favoritin. Lady Elizabeths Vater war ein Jugendfreund des Herzogs, und ihr Stammbaum war makellos und einer Herzogin durchaus würdig.

Was die Klatschbasen jedoch nicht wussten, war, dass der Herzog und der Marquis sich schon häufig laute Wortgefechte wegen Lady Elizabeth geliefert hatten, weil der Marquis sich weigerte, diese Verbindung ins Auge zu fassen, sein Vater jedoch keine andere Verbindung akzeptieren wollte.

Und an diesem Morgen hatte ein weiteres Gerücht in der Zeitung den Herzog bewogen, seinen Sohn wieder einmal wie einen Dienstboten zu sich zu zitieren. Jared kam und lümmelte sich in einem Sessel, während sein Vater erregt auf und ab marschierte. Der Herzog hielt die jüngste Ausgabe der Times in der Hand. Einen Augenblick lang war er zu wütend, um zu sprechen. »>Eine gewisse Witwe<«, las er vor und warf die Zeitung zu Boden. »Ich weiß sehr wohl, auf wen sie abzielen - jeder in der Stadt weiß von deiner Affäre mit Lady Waterstone.« Jared zuckte mit den Schultern. Ja, und? Er war mit der Witwe im Bett gewesen - schließlich war er ein Mann, und außerdem hatte er eine gewisse körperliche Vorliebe für Miranda, Lady Waterstone, entwickelt. »Ist dir denn dein Ruf gleichgültig? Und wenn nun Lady Elizabeth das liest?«, fragte ihn der Herzog erbost. »Und wenn schon«, erwiderte Jared. Er schuldete Lady Elizabeth nichts, und er verstand ehrlich gesagt auch nicht, warum sein Vater so erpicht darauf war, die Frau unter die Haube zu bringen. Der Herzog war seit vielen Jahren Witwer, und vielleicht sollte er ja lieber heiraten, dachte Jared. Er jedenfalls fand nichts dabei, so zu leben, als ob jeder Tag sein letzter wäre, und der Wunsch seines Vaters, ihn mit einer Frau mit dem Gesicht eines Pferdes zu verheiraten, würde ihn ganz gewiss nicht davon abhalten. Je erbitterter er jedoch Widerstand leistete, desto zorniger wurde sein Vater. »Ich musste in meinem Club von deiner Affäre mit dieser Frau erfahren - und jetzt muss ich auch noch davon lesen? « »Ich bin für das, was in der Zeitung steht, nicht verantwortlich«, erklärte Jared.

German Translation Copyright © 2008 by Verlagsgruppe Weltbild GmbH

Original English language edition © Copyright 2006 by Dinah Dinwiddie

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2008 Verlagsgruppe Weltbild GmbH

Übersetzung: Margarethe van Pee

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