Peter Brendt
Golden Gate
560 pages
ISBN 978-3-89897-818-7
Published: 2008
4,95 EUR
Spannender Action-Thriller!
Die Welt hält den Atem an: Eine Bande von internationalen Spitzenverbrechern unter der Leitung des ominösen Mr. Dark droht, die Golden Gate Bridge in die Luft zu jagen - mit allen, die drauf sind! Zwei Milliarden Dollar, das ist der Preis für die Geiseln. Alle Rettungsversuche des FBI scheitern. Da kommt Mike Jourdan ins Spiel, ein Versicherungsagent für ganz besondere Objekte. Für viele ist er die letzte Hoffnung.
LESEPROBE
Der Tag X, 07:30
Montagmorgen in der Bucht von San Francisco. Obwohl es ein paar Meilen weiter eine noch größere Brücke gab, quälte sich der Verkehr wie jeden Tag im Schritttempo über die Golden Gate Bridge. Frei nach dem Motto, auf der anderen Brücke, der Bay Bridge, wäre es auch nicht besser. Und damit hatten die Leute meistens recht. Meistens, nicht an diesem Montagmorgen, aber das konnte keiner von ihnen ahnen. Dabei lag der Moment, der alles verändern würde, gerade noch ungefähr neunzig Sekunden in der Zukunft.
»Lass den auch noch vor!« Der Mann, der die Anweisungen in dem Van gab, ließ seine Uhr immer nur für Sekunden aus den Augen, um einen Blick auf den dichten Verkehr zu werfen.
Der Fahrer des Lieferwagens bemühte sich, den Anweisungen Folge zu leisten, ohne einen Zusammenstoß zu provozieren. »Die fahren heute mal wieder, wie es ihnen gerade einfällt.«
»Pass halt auf! Das Letzte, was wir jetzt brauchen können, ist ein Unfall!« Der Mann auf dem Beifahrersitz spähte nach vorn. Sie waren bereits zu nahe an der Brücke, als dass er noch den ganzen Südturm hätte sehen können. Entschlossen drückte er einen Knopf an dem kleinen Funkgerät an seiner Hüfte. »Tango vier! Tango vier! Passieren Punkt Bravo!«
Augenblicke später kamen weitere Meldungen aus den winzigen Ohrlautsprechern. »Tango fünf: Passieren ebenfalls Bravo!«, »Tango sechs: Noch etwa zwei Minuten bis Bravo! «, »Goose eins: Wir starten jetzt!« Dann endlich die Meldung, auf die der Leiter des Teams gewartet hatte. »Tango eins!: Wir passieren Punkt Alpha!«
Der Fahrer fluchte leise, als vor ihm mehrere Fahrzeuge abbremsten. Sie hatten das Ende des Staus erreicht. »Verflucht, nur ein paar verdammte Yards noch!«
»Wir haben damit gerechnet! « Der Beifahrer nickte beruhigend. »Alles im Plan!« Er wandte sich zum Laderaum um. In dem fensterlosen Innenraum saßen acht Männer, die nun fragend auf ihn blickten. Er grinste, als mache ihm das alles ungeheuren Spaß. »Fünfundvierzig Sekunden, Männer! «
Das Team im Laderaum des Vans war von Kopf bis Fuß in schwarze Kampfanzüge gehüllt. Sogar die Gesichter waren von schwarzen Sturmhauben verdeckt, die nur die Augen frei ließen. Auf die Ankündigung ihres Teamleaders hin überprüften sie ihre Waffen. Nicht, dass sie das nicht bereits ein Dutzend Mal getan hatten. Aber es gehörte zur Routine. Man konnte nie sicher genug gehen! Die sparsamen Bewegungen der Männer verrieten die Profis. Sie hatten ihre Lektionen bereits vor langer Zeit gelernt, im Kongo, in Südafrika oder in Asien. Krieg und Tod waren ihr Geschäft. Nichts verriet auch nur eine Spur von Unsicherheit. Für sie war es ein Einsatz mehr, die Chance auf einen größeren Gewinn, als ihn Söldner normalerweise machten. Sozusagen der Jackpot.
Der Verkehr hatte sich in ein zähflüssiges Stop and Go verwandelt. »Wir können es tatsächlich noch genau auf den Punkt schaffen, Nummer drei!«
Nummer drei, der Beifahrer, blickte aus dem Seitenfenster. Der Lieferwagen mit dem Funkcode Tango fünf war auf der rechten Spur, sie selbst in der Mitte. Nur von Tango sechs, dem dritten Lieferwagen, konnte er keine Spur entdecken. » Siehst du Tango sechs?«
Der Fahrer spähte in den Rückspiegel. »Linke Spur, fünfzig Yards hinter uns!« Er grinste unsicher. »Jedenfalls glaube ich, dass er das ist! Es sind verdammt viele Vans unterwegs.«
Aus den Lautsprechern kam ein kurzes Piepen, dann sprach eine ruhige Stimme: »Dreißig Sekunden! Viel Glück, Gentlemen, denken Sie daran: Heute werden Sie Geschichte schreiben! Und bitte keine Fehler!« Die Verbindung brach ab, nur um sofort wieder aufgenommen zu werden. »Ach ja, den Ladies natürlich auch viel Glück.« Ein leises Lachen folgte dem Nachsatz.
Der Beifahrer lächelte, während er seine eigene Sturmhaube aus dem Handschuhfach holte. In den winzigen Lautsprechern begann eine andere Stimme den Countdown zu zählen. »Zehn ... neun ...«
Bei null trat der Fahrer des Vans abrupt in die Bremsen. Der nachfolgende Wagen, dessen Fahrer wohl noch immer nicht ganz wach war, reagierte zu spät und stieß gegen das Heck des Lieferwagens, aber das hatte keine Bedeutung mehr. Der Verkehr war ohnehin nicht schnell.
Die Schiebetüren schwangen auf, und die Maskierten sprangen heraus. Dem Fahrer des aufgefahrenen Wagens, der ebenfalls wütend aus seinem Fahrzeug gesprungen war, blieb beim Anblick der Sturmgewehre ein Fluch im Halse stecken. Aber die Männer in Schwarz ignorierten ihn einfach, sie hatten Wichtigeres zu tun. In Windeseile verteilten sie sich auf alle drei Spuren nach Süden. Die Teams aus den beiden anderen Lieferwagen stießen zu ihnen. Schüsse wurden in die Luft abgefeuert, Schreie gellten, Metall knirschte, als überraschte Fahrer vergaßen, auf die Bremsen zu treten und auf ihre Vordermänner auffuhren. Am Südende der Brücke verwandelte sich der geordnete Verkehr in ein Chaos, während die Sekunden gnadenlos verstrichen.
Auf den drei in die Stadt führenden Spuren war das Durcheinander noch größer. Bei null hatten auch hier drei Fahrzeuge völlig überraschend den ohnehin bereits stockenden Verkehr zum Stillstand gebracht. Nur waren hier zwei der Fahrzeuge schwere Sattelschlepper, die sich einfach quer stellten. Solide Barrieren aus Stahl, die ein Entkommen in dieser Richtung unmöglich machten.
Aus dem dritten Fahrzeug, einem Laster mit Kastenaufbau, sprangen weitere Bewaffnete und begannen, die verdatterten Leute aus den Wagen zu zerren und in Richtung der Brückenmitte zu treiben. jede Bewegung, jedes der kurzen Kommandos verriet, dass man es mit Profis zu tun hatte, die einem genauen Plan folgten.
Am Südende sah sich Nummer drei kurz um. Auch hier schien alles nach Plan zu laufen. »Nummer drei für eins: Unser Ende ist blockiert! Wir treiben jetzt die Leute zusammen.«
Die Stimme von Nummer eins kam sofort. »Unser Ende auch! Zeit, dass Sie sich einigeln, Nummer drei. Ich schätze, wir haben noch drei bis vier Minuten!«
»Jawohl, Sir! « Nummer drei blickte auf die Uhr. Drei bis vier Minuten, dann würde die Polizei hier sein. Nicht, dass ihn die Aussicht, der gesamten Polizeimacht von San Francisco gegenüberzustehen, nicht etwas beunruhigt hätte, aber ein wenig Angst war in diesem Geschäft gut. Sie schärfte die Sinne.
Es wurde Zeit. Mit einer weit ausholenden Armbewegung sammelte er seine Männer. Autos wurden herumgedreht, bis sie quer standen, weitere Waffen aus den Vans geholt und kleine Sprengladungen ausgelegt. Alles geschah ohne viele Worte. Jeder wusste, was er zu tun hatte. Nicht umsonst hatten sie es tausendmal geübt. Nummer drei grinste unter seiner Sturmhaube. Das hier ist besser als das verdammte Kinshasa! Trotz Funk tauschte er mit seinen Männern taktische Handzeichen aus. Alte Gewohnheiten legt man eben nicht so schnell ab.
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AUTOREN-PORTRÄT
Peter Brendt, Jahrgang 1964, ging nach dem Abitur zur Marine und diente dort zunächst als Navigator, bevor er zu den Waffentauchern wechselte und im Rahmen der NATO an diversen Einsätzen mit der US Navy teilnahm. Nach turbulenten Jahren in Sonderkommandos nahm er seinen Abschied und studierte Informatik.