Foreign Rights

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Barbara Parker
Eine perfekte Fälschung
431 pages
ISBN 978-3-89897-954-2
Published: 2008
5,95 EUR

Nichts ist, wie es scheint

Tom Fairchild ist Spezialist, wenn es um das Kopieren von historischen Karten geht. Eine ziemlich verhängnisvolle Kunst, wie sich herausstellt. Obwohl Tom auf Bewährung ist, nimmt er aus Geldmangel einen letzten dubiosen Job an. Er soll in Begleitung von Allison, der Tochter seines Auftraggebers, nach Italien reisen und eine wertvolle Renaissancekarte kopieren. Doch hier scheint es um noch viel mehr zu gehen.



LESEPROBE

1

An den getönten Scheiben glitt der Miami Club District vorbei - lila Neon, stuckverzierte Arkaden, Menschengedränge auf den Gehsteigen. Auf dem Rücksitz des Escalade saß Larry und sah Carla an. Sie bewegte ihre Schultern zu dem hämmernden Rhythmus der Musik, die aus der Stereoanlage kam, ihr blondes Haar fiel ihr ins Gesicht. Sie dachte, sie wären auf dem Weg, etwas Kokain aufzutreiben.

Joe bog mit seiner Geländelimousine nach Süden ab und fuhr durch Downtown, das zu dieser nächtlichen Stunde wie leer gefegt war. Die Scheinwerfer erfassten eine auf die Straße rollende Getränkedose und die eisernen Rollläden vor den Geschäften. Bis zum Morgengrauen würde die Temperatur noch empfindlich sinken. Auf dem Beifahrersitz saß Marek, der sich zu Carla umdrehte und sie ansah. Er lachte, schnippte mit den Fingern zur Musik und blickte auf den Saum von Carlas Kleid, der ihre nackten Beine hochgerutscht war.

Sie nahmen die Unterführung unter der Schnellstraße durch, die einem Wald aus dichten Säulen glich, dann eine kurze Brücke, die über den Fluss zur West Flagler Street führte. Die breiten Reifen brummten auf dem Asphalt. Marek reckte den Hals und betrachtete zwei Frauen, die aus einem nicaraguanischen Nachtklub wankten.

Marek arbeitete für die Russen, sie hatten ihn hergeschickt.

Das Erste, wonach Marek gefragt hatte, als Larry ihn vom Flughafen abholte, waren Steinkrebsscheren gewesen. Und gleich danach hatte er gesagt: »Bring mich nach South Beach. Ich will mir bei Tommy Bahama ein Hemd kaufen.«

Er hatte ein Dutzend Hemden und ein paar Seidenboxershorts erstanden, trotzdem sah er immer noch aus, als käme er direkt von einem bulgarischen Bauernhof.

Als Joe rechts ins Industriegebiet am Fluss abbog, fragte Carla, ob er sich verfahren habe. Er stellte die Stereoanlage aus und antwortete, dass sie gleich da wären. Der Escalade glitt geräuschlos durch ein offenes Maschentor mit Stacheldraht und vorbei an ein paar Lagerhallen mit Hummerfallen. Die Wache am Tor verschwand in der Dunkelheit. Joe parkte im Schatten eines zweistöckigen Hauses, das früher einmal einen Fischmarkt beherbergt hatte. Ein matter Scheinwerfer warf Licht auf eine Tafel mit verblassten Buchstaben.

Carla drückte ihr Gesicht an die Fensterscheibe. »Wo zum Teufel sind wir? «

Larry griff nach ihrer Tasche und reichte sie zwischen den Sitzen durch nach vorne. Sie schrie auf, doch Larry hielt sie fest. Joe erklärte, in der Tasche sei nichts. Marek drehte sich zu Larry um und forderte ihn auf, nach einer Verkabelung zu suchen.

»Sie ist nicht verkabelt.«

»Geh auf Nummer sicher. «

Als Larry Carlas Rücken und Taille abtastete, fluchte sie immer lauter. Larry sagte: »Kein Kabel. Bist du jetzt zufrieden? «

Carla lehnte sich nach vorne und riss Joe die Tasche aus der Hand. »Ich steig jetzt aus.« Sie rüttelte am Türgriff. »Joe, mach die Tür auf!«

Larry sagte: »Reg dich ab, Baby. Wir wollen dich nur was fragen.« Die Sicherheitsbeleuchtung am Tor reichte nicht so weit, doch die Flutlichter auf den elektrischen Transformatoren unten am Fluss gaben genug Licht. Sie zitterte. Er sagte: »Ich werde dir nicht wehtun. Sag mir einfach nur die Wahrheit. Letzten Dienstag ist Joe zum Mittagessen in das Second Street Diner gegangen und hat dich hinten

mit einem schwarzhaarigen Hispano Ende dreißig gesehen.

Erinnerst du dich noch?«

Sie machte ein verwirrtes Gesicht. »Dienstag?« » Richtig. Vor vier Tagen. Wer war das? «

»Dienstag ... Oh ... der. Er ist nur ... er kommt öfter zum Essen vorbei. Ich nehme mal an, dass er irgendwo in der Nähe wohnt.«

»Wie heißt er? «, fragte Larry.

» Weiß ich nicht mehr. «

Larry ohrfeigte sie zweimal, noch bevor sie ihre Hände schützend vors Gesicht halten konnte. »Joe hat gesagt, dass du in sein Auto gestiegen bist. Wie heißt er? «

Ihre Stimme wurde nun schrill. »Ich weiß es nicht ... War te! Lass mich überlegen! Manny! «

»Manny, und weiter?«

Sie spähte durch ihre vorgehaltenen Arme. »Suarez.«

» Okay. Manny Suarez also. «

Carla fuhr sich mit der Zunge über die Oberlippe. »Du Arschloch. « Sie fing an zu weinen.

»Wohin hat Manny Suarez dich mitgenommen?«

»Nirgendwohin. Ich war zu Fuß unterwegs, deshalb hat er mich vor meiner Wohnung abgesetzt. Warum fragst du? Wer ist er überhaupt? «

»Ein Bulle. Er gehört zur ATE«

»Was ist das denn? «

»Alkohol, Tabak und Schusswaffen. « Sie sah immer noch verwirrt drein. Er sagte: »Eine Behörde, gehört zur US Regierung. Er ist Bundesbeamter.«

»Na ja, er hat sich mir nicht gerade mit den Worten vorgestellt: >Hi, ich bin Bulle
»Hast du ihn nur dieses eine Mal getroffen?«

»Ja. Bis auf die paar Mal, die er zum Mittagessen reingekommen ist. Das habe ich doch schon gesagt.«

Larry hätte ihr gerne geglaubt. Carla war nicht besonders schlau, außerdem würde die ATF kaum ein Flittchen wie sie als Informantin benutzen. Andererseits hatte die Miami Beach Police sie wegen Drogenbesitzes verhaftet, und man war der Sache nachgegangen. Aber das musste ja nicht unbedingt heißen, dass sie sie gleich der Bundesbehörde übergeben hatten.

© Verlagsgruppe Weltbild GmbH, 2008

Übersetzung: Christiane Winkler

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Elisabeth Steppich
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