Foreign Rights

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Brenda Joyce
Die Geliebte des Normannen
544 pages
ISBN 978-3-89897-744-9
Published: 2007
4,95 EUR

In den Armen des Feindes!

Mary ist die Tochter des schottischen Königs. Eines Tages gerät die wunderschöne junge Frau in die Gewalt normannischer Eindringlinge. Doch die eigensinnige Prinzessin weigert sich, ihre Identität preiszugeben. Allerdings ist sie da bei Stephen de Warenne an den Falschen geraten! Denn der Anführer des feindlichen Stammes bezwingt sie - und schon bald lodert die Flamme ihrer Leidenschaft heller als die Feuer des Krieges, die das Land zu verschlingen drohen.



LESEPROBE

Prolog

Winchester, 1076

Wieder einmal konnte er nicht schlafen. Er lag da, die Wange auf seinen Strohsack gepresst, und lauschte dem Schnarchen der Ritter um ihn herum - und dem berauschten Gelächter und Geplänkel aus dem Obergeschoss.

Er war erst seit drei Wochen am Königshof, noch nicht lange genug, um sein Zuhause zu vergessen und aufzuhören, sich nach den weiten Mooren Northumberlands oder der heimeligen Wärme des großen Saals von Aelfgar zu sehnen.

Der kleine junge zitterte, denn es war mitten im Winter, und er fror. Er versuchte, sich noch tiefer in das Stroh und die dünne Wolldecke zu kuscheln, die man ihm gegeben hatte. Er wollte nicht an Aelfgar denken, denn dann musste er auch an seine Brüder denken, und an seine Eltern. Und da­ran, wie sehr er sie vermisste. Wenn er nur das Bild seiner Mutter vergessen könnte, wie er sie zuletzt gesehen hatte. Als er inmitten der Männer des Königs fortritt, hatte Lady Cei­dre ihm mit einem tapferen, aber gezwungenen Lächeln nachgewunken; er hatte die Tränen bemerkt, die ihr über die Wangen liefen, während sie lautlos weinte.

Stephen schluckte. Noch immer drohte dieses Bild, das ihn verfolgte, ihn zu entmutigen.

»Ein Mann weint nicht«, hatte sein Vater ernst bemerkt, als er ihn früher an jenem Tag seines Aufbruchs nach Win­chester beiseite genommen hatte. »Es ist eine Ehre, am Hof des Königs aufgezogen zu werden, Stephen, eine große Ehre, und ich weiß, du wirst deine Pflicht tun, wie es einem Mann gebührt, und mich stolz machen.« »Ich verspreche es, Mylord«, erwiderte Stephen mit großer Entschlossenheit.

Sein Vater ergriff ihn lächelnd an der Schulter, doch seine lebhaften, blauen Augen erreichte dieses Lächeln nicht. Sie waren unerklärlich traurig.

Stephen hatte nicht mit der Einsamkeit gerechnet. Er hatte damals nicht verstanden, was es bedeutete, von daheim und der Familie getrennt zu sein. Er hatte sich nicht vorstellen können, dass er sich so schrecklich nach zu Hause sehnen würde. Noch immer musste er sich unmännlichen Tränen ge­schlagen geben, auch wenn er es partout nicht wollte. Aber eines Tages würde er heimkehren und sein Erbe antreten, als erwachsener Mann, als Ritter mit Sporen, und sein Vater und seine Mutter würden stolz auf ihn sein.

»Wach auf, Balg! «

Stephen erstarrte. Duncan stand über ihn gebeugt, ein wei­terer junge, der am Königshof lebte. Duncan war ein paar Jahre älter als er, hatte es jedoch weitaus schwerer. Denn er wurde nicht nur am Hof von König Wilhelm erzogen - er diente auch als Geisel. Duncan war der Sohn des schottischen Königs aus dessen erster Ehe. Theoretisch sollte Schottlands König Malcolm nun, da König Wilhelm seinen Sohn Duncan in der Hand hatte, seine Feindseligkeiten gegen England be­enden.

Stephen bedauerte Duncan, aber der junge war so wider­lich, dass er es nicht fertigbrachte, ihn zu mögen. Und aus ei­nem unerfindlichen Grund schien Duncan ihn auch zu has­sen.

Vorsichtig setzte sich Stephen auf und wischte sich Stroh von der Wange.

»Der Prinz will dich sehen«, sagte Duncan. »Hast du ge­weint? «, höhnte er dann.

Stephen versteifte sich.

»Ich bin zu alt, um zu weinen«, erwiderte er verbissen und stand auf. Er war sechs. »Was will der Prinz?«, »Weiß ich nicht«, antwortete Duncan, aber er grinste dabei hämisch.

Ohne zu wissen warum, spürte Stephen ein Unbehagen in sich aufsteigen. Es machte ihm nichts aus, zum Prinzen geru­fen zu werden. Rufus hatte sich bereits kurz nach seiner An­kunft mit ihm angefreundet; er war sein einziger Freund am Königshof. Da Stephen von allen Knaben der jüngste und die kürzeste Zeit bei Hofe war, ignorierten ihn die anderen jun­gen, oder sie gängelten und neckten ihn. Sehr bald hatte er gelernt, wann er sich wehren sollte und wann es besser war, sich zurückzuziehen. Nun war er natürlich verwundert. Ru­fus hatte ihn noch nie zu sich rufen lassen, schon gar nicht mitten in der Nacht. Stephen machte lange Schritte, um mit Duncan mithalten zu können, als sie aus dem Saal gingen.

Er fragte sich, wohin Duncan ihn wohl brachte, stellte aber keine Fragen. Vor der Abreise hatte sein Vater ihn ermahnt, genau zu beobachten, gut zuzuhören und möglichst wenig von sich selbst preiszugeben. Und niemandem zu vertrauen außer sich selbst. Bislang hatten die wenigen Wochen am Kö­nigshof den Wert des väterlichen Rates bestätigt.

Am Eingang zum Stall angekommen, blieb Stephen wie angewurzelt stehen. Rufus war nicht allein dort, sondern mit einigen seiner Freunde, anderen jungen, die in etwa so alt waren wie der Prinz - um die sechzehn Jahre. Und sie waren alle mächtig betrunken. Einer von ihnen grölte ein ordinäres Lied. Unter ihnen befand sich eine Dienstmagd; zwei der jun­gen hatten einen Arm um sie gelegt. Ihre zerrissene Tunika gab den Blick auf einen üppigen Busen und feste Brustwar­zen frei. Im ersten Augenblick starrte Stephen verblüfft, doch als einer der jungen sich an dem Mädchen zu schaffen machte, wandte er sich mit hochrotem Kopf ab.

Der Prinz fixierte den sechsj ährigen jungen. Aus einem un­erklärlichen Grund verstärkte sich Stephens Unbehagen noch mehr. Rufus' Gesicht war vom Alkohol gerötet, und seine Augen funkelten wild. Mit gekrümmtem Zeigefinger lockte er leise: »Komm her, mein hübscher Stephen! «

Stephen stand reglos da. Nicht nur, dass die Augen des Prinzen funkelten und ungewöhnlich glänzten, er hatte auch in einer höchst intimen Art und Weise seinen Arm um einen jüngeren Knaben gelegt. Stephen kannte diesen jungen nicht; er trug die schäbige Kleidung eines Leibeigenen. Er war si­cher nicht der Sohn eines großen Lords, der am Königshof erzogen werden sollte. Als sich ihre Blicke trafen, spürte Ste­phen sofort große Sympathie für den jungen.

Sein Vater hatte ihn gewarnt, es gebe bei Hofe Männer, die Knaben zugetan waren, und ihm eingeschärft, ihnen gegen­über sehr zurückhaltend zu sein. Stephen hatte das nur un­gefähr verstanden. Er hatte Lust in den meisten ihrer Formen gesehen, auch wenn er ihre Bedeutung nicht erfasst hatte. Nun aber begriff er mit einem Mal, und es verblüffte und er­schreckte ihn.

Aber er musste sich einfach irren! Schließlich war dies Ru­fus, der Sohn des Königs!

Der Prinz trat näher, er schien den anderen jungen plötz­lich vergessen zu haben.

» Guten Abend, Stephen«, sagte er lächelnd.

Wenn er lächelte, sah er ganz gut aus, trotz seiner wirren, flammendroten Haare. Er schlang die Arme um Stephens schmale Schultern und drückte ihn an sich.

»Trink meinen Wein. Er ist außerordentlich gut, aus Bur­gund. «

© Verlagsgruppe Weltbild

Deutsch von Heinz Tophinke

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Elisabeth Steppich
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