Foreign Rights

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Hannah Howell
Die Ehre des Highlanders
366 pages
ISBN 978-3-89897-731-9
Published: 2007
4,95 EUR

Eine fesselnde Liebe in schweren Zeiten!

1437: Der schottische Ritter Nigel Murray kämpft unter französischer Krone gegen den Erzfeind England. Als ihm die schöne Gisèle DeVeau begegnet, weiß er: Sie ist die große Liebe seines Lebens! Doch Gisèle ist in tödlicher Gefahr - gejagt wegen eines Mordes, den sie nicht begangen hat. Nigel will mit ihr in seine schottische Heimat flüchten. Aber dann spitzt sich die Lage auf dramatische Weise zu.



LESEPROBE

Während er sich zwischen den Bäumen hindurch einen Weg bahnte, musste er sich eingestehen, dass ihm die Dinge völlig aus der Hand geglitten waren. Wenn ein Mann ausgestreckt im Schlamm zu sich kam und nicht genau wusste, wo er sich befand oder wie er dorthin gekommen war, dann war das der Moment, an dem dieser Mann einen langen, eingehenden Blick auf sich selbst werfen sollte. Mit diesem Ratschlag hatte Nigel während der sieben langen Jahre, die er inzwischen für Frankreich kämpfte, so manchen seiner Waffenbrüder bedacht, doch nun war es an der Zeit, diese Weisheit bei sich selbst anzuwenden. Er wusste, er hatte den Punkt erreicht, wo er sich entweder zu ändern hatte oder zu Tode kommen würde.

Am Fluss angekommen, machte er eine seichte Stelle ausfindig, zog sich mit einem Ruck die Stiefel aus, schnallte sein Schwert ab und ging zum Ufer. Nachdem er kurz in dem betäubend kalten Wasser untergetaucht war, legte er sich flach hinein und ruhte seinen Kopf auf der Böschung aus, die mit weichem Grass bewachsen war und sanft von Wasser umspült wurde. Er räkelte sich, die Augen geschlossen, und erlaubte der Kälte, seinen vom Wein umnebelten Kopf freizubekommen, und der Strömung, den in seinen Kleidern und an seinem Körper haftenden Gestank wegzuspülen.

Seit er nach Frankreich gekommen war, hatte er sich zunehmend an den Alkohol und an unzählige gesichtslose und namenlose Frauen verloren. Die gelegentlichen Kämpfe mit den englischen oder französischen Feinden des jeweiligen französischen Krautjunkers, der gerade für Nigels Dienste bezahlte, boten die einzige Unterbrechung in diesem schier endlosen Kreis von Zerstreuungen. Nigel wusste, dass er von Glück sagen konnte, nach sieben Jahren voll solchen Stumpfsinns noch am Leben zu sein. Er hätte vergangene Nacht mit dem Gesicht im Schlamm landen können, zu betrunken, um sich selbst vor dem Erstickungstod zu bewahren. Er hätte in das feindliche Lager stolpern und niedergestochen werden können, bevor er seinen Irrtum auch nur bemerkte. Und ebenso gut hätte ihm eine der vielen dunklen Gestalten, die ständig in der Nähe des Heeres herumlungerten, die Kehle durchschneiden und ihn ausrauben können. Er war einer seltsamen Art von Wahnsinn verfallen, die ihn auf hundert Arten das Leben hätte kosten können.

Und warum? Das war die Frage, die er sich stellen musste.

Am Anfang hatte er sich dem Wein und den Frauen zugewandt, um den Schmerz in seinem Herzen zu betäuben, um den Qualen, die ihn von seinem Zuhause, von Schottland und Donncoill, weggetrieben hatten, ein Ende zu machen. Inzwischen, so vermutete er, war beides zu einer Gewohnheit geworden. Der Wein schenkte ihm eine verführerische Benommenheit und die Frauen seinem Körper vorübergehend Erleichterung. Doch das, entschied er bei sich, war nicht genug, um sein Leben aufs Spiel zu setzen. Als er Schottland verließ, hatte er seinen Brüdern versichert, nicht nach Frankreich zu gehen, um in einer Schlacht den Tod zu suchen. Und ganz gewiss wollte er auch nicht in betrunkenem Stumpfsinn enden.

Stimmen drangen an sein Ohr und lenkten ihn von seinen düsteren Gedanken und seiner unangenehmen Gewissenserforschung ab. Sobald er die Stimmen orten konnte, griff er nach seinen Stiefeln und dem Schwert und schlich sich leise an - getrieben von Neugier und dem Bedürfnis, sich von den Gedanken daran, wie tief er in den vergangenen sieben Jahren gesunken war, ablenken zu lassen.

Nigel konnte gerade noch verhindern, dass er geradewegs in das Paar hineinlief, dem er nachspürte. Es war näher, als er gedacht hatte, und befand sich auf einer Lichtung, die erst einsehbar wurde, wenn man sie schon fast betreten hatte. Rasch duckte er sich hinter eine Ansammlung niedriger Beerensträucher. Ein armseliges Versteck, aber die beiden auf der Lichtung waren so sehr in ihr Gespräch und ihr Tun vertieft, dass sie Nigel bestimmt nicht entdecken würden, solange er sich absolut still verhielt.

Den jungen Mann erkannte Nigel, auch wenn es einen Augenblick dauerte, bis er sich an seinen Namen erinnern konnte. Aber es war der kleinere Teil dieses Paares, der Nigels Aufmerksamkeit auf sich zog. Warum sprach Guy Lucette so eifrig zu einer kleinen, schwarzhaarigen Frau, die schlecht sitzende Jungenkleider trug? Ein schneller Blick auf den Haufen dicker, rabenschwarzer Haare, der am Boden lag, verriet Nigel, dass die kurzen Locken der Frau auf eine eben erst erfolgte Veränderung zurückgingen. Beim Anblick der abgeschnittenen Haarpracht durchfuhr ihn ein ungewöhnlicher Stich, und Nigel kam zu dem Schluss, dass es wohl jeder Mann bedauern würde, solch wunderschönes Haar weggeworfen zu sehen. Solches Haar war der Ruhm einer jeden Frau. Und das wiederum warf die Frage auf, warum die kleine Dame sich zu einer derart drastischen Handlung hatte hinreißen lassen. Er zwang sich, nicht mehr darüber nachzudenken und stattdessen ihrem Gespräch zuzuhören, wobei er Mühe hatte, ihrem schnellen Französisch zu folgen.

Deutsch von Andrea Hahn

© Verlagsgruppe Weltbild GmbH

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Elisabeth Steppich
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